Chris Wink, Matt Goldman, Phil Stanton – die Gründer im Gespräch

Die Gründer der Blue Man Group, v.l.n.r.: Chris Wink, Phil Stanton, Matt GoldmanDie BLUE MAN GROUP entstand als spontane Idee dreier Schlagzeuger in New York. Sie zählt heute zu den erfolgreichsten Shows in den USA. Die langjährigen Freunde Chris Wink, Philip Stanton und Matt Goldman gründeten die Blue Man Group, um auf diesem Wegmenschlichen Geist durch Musik, Wissenschaft, Kunst und Theater zu feiern. Nach 1.000 Auftritten in New York verließen die drei Original -Blue Men die Bühne, um die Blue Man Produktionen in ein weltweit, erfolgreiches kreatives Unternehmen zu verwandeln. Was als Drei-Mann-Unternehmen begonnen hat, entwickelte sich zu einer Jahrzehnte langen Partnerschaft, welche Live-Theater, Gewinn vom Grammy-Award® für Originalmusik, zwei Rockkonzert-Tourneen, verschiedenen Ausbildungsangebote für Kinder inklusive der Gründung der Blue School und mehrfache Auftritte in größeren Fernsehshows umfasst.

CHRIS WINK: Manchmal, wenn wir darüber nachdenken, wie weit es die BLUE MAN GROUP gebracht hat, dann kann man sich nur am Kopf kratzen. Vor allem wenn wir daran denken, wie alles begann … im Endeffekt haben wir drei gesagt: „Wie wäre es, wenn wir uns blau anmalen und Sachen aufführen.“

PHIL STANTON: Soweit ich mich erinnere, war eines der ersten Dinge, die wir taten, die Möbel aus dem Fenster des Wohnzimmers zu werfen, um Platz zum Bauen zu haben.

CHRIS WINK: Stimmt. Dann fingen wir an, Trommeln zu bauen. Ich glaube, wir wussten instinktiv einfach, dass wir Trommeln brauchen. Das war so ein Gefühl.

PHIL STANTON: Wir wollten ein ursprüngliches Element in unserer Show, etwas Kreatives und Schöpferisches. Das Problem war jedoch, dass wir weder Maler noch klassische Künstler waren. Also fragten wir uns: Wie kann man ein Trommler sein – denn nichts anderes waren wir – und zugleich kreativ und schöpferisch. Der Charakter des Blue Man war die Lösung.

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CHRIS WINK: Maler wie Jackson Pollock inspirierten uns. Er benutzt Farbe auf abstrakte Weise, um seine Gefühle auszudrücken. Wir lernten Farbe mit Musik zu verknüpfen. Außerdem stellten wir fest, dass man einen Mangel an Talent durch Witz wettmachen kann. Das Trommeln und die Farben halfen uns, eine gewisse Ästhetik zu erzeugen, die einfach, musisch, komisch, visuell lebendig und ungewöhnlich ist. Der Blue Man möchte etwas erschaffen, um etwas herzustellen, auszudrücken oder etwas zu verwandeln.

PHIL STANTON: Auch die Vaudeville-Darsteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren eine Quelle der Inspiration für uns.

CHRIS WINK: Wir mussten einfach sehen, was sie taten, da sie, genauso wie wir, keine Handlung hatten. Wie eine echte Varietéshow.

PHIL STANTON: Unserer Meinung nach entsteht Vielfalt, indem man vielen Interessen folgt, ohne herausragend in einer einzelnen Disziplin zu sein.

CHRIS WINK: Wir nutzen Musik, Komik, Bildreize, Wissenschaft und mischen alles. So entstand unsere Show.
 
Elemente der Show

Blue Man Group-Gründer Phil Stanton mit den Blue MenMATT GOLDMAN: Einer der Vaudeville-Darsteller sagte einmal: „Um das Publikum von Anfang an zu fesseln, muss der Darsteller etwas vollbringen, was der Zuschauer selbst nicht vermag.“ Damals war es das Jonglieren, das Schwertschlucken, das Balancieren von Tellern oder Feuerkunststücke. Wir konnten Dinge aus großer Entfernung mit dem Mund fangen, die meisten anderen Leute können das nicht.

PHIL STANTON: Wir versuchten, unsere Interessen zu kombinieren – z.B. Technik und Wissenschaft.

CHRIS WINK: Uns gefielen naturwissenschaftliche Museen, Messen oder auch das Exploratorium in San Francisco. So sollte ein Teil unserer Show wie eine abgedrehte Wissenschaftsmesse sein.

MATT GOLDMAN: Wir kauften einfache LED-Anzeigen, programmierten sie und sie bekamen eine zentrale Rolle in unserer Show.

CHRIS WINK: Wir verwenden sie als übergroße Trommelstöcke. Es gibt also Hightechelemente, die aber semi- bis völlig untechnische Aufgaben erfüllen.

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MATT GOLDMAN: Wir lieben Musik und Melodien. So war unsere Herausforderung, wie wir als Percussionisten unseren Trommeln Melodien entlocken können. Es entstand die Idee, unterschiedlich lange Rohre zu benutzen. Wir waren in Manhattan in einem Laden für Gummischläuche und PVC-Rohre. Wir begannen, uns durch die Rohre zu unterhalten und auf ihnen herumzuklopfen. So merkten wir, dass sie ganz unterschiedlich klangen. Das war der Anfang.

CHRIS WINK: Und es passt zum Blue Man, etwas Selbstverständliches, Weltliches, etwas, dem wir nie Beachtung schenken, auszuwählen und damit seine Emotionen auszudrücken.

PHIL STANTON: Menschen haben vor tausenden von Jahren mit Bambusrohren musiziert, hohlen Bambusrohren der gleichen Größe. So ist eine interessante Mischung aus Urzeitinstrument und moderner Technologie entstanden.

Wir können vom Blue Man lernen, keine Angst zu haben, Regeln zu brechen und alles ein bisschen zu verdrehen. Es ist irgendwie lustig, Kreativität an den seltsamsten Orten zu finden, sei es beim Fangen von Marshmallows und Kaugummikugeln, oder auf Rohren zu musizieren oder Cornflakes Musik zu entlocken.

Charakter des Blue Man

Die drei Gründer der Blue Man Group: Matt Goldman (li.), Phil Stanton und Chris WinkCHRIS WINK: Es ist leicht, den Blue Man ein bisschen misszuverstehen. Manchmal kann er etwas furchterregend aussehen. Der Blue Man ist anders.

MATT GOLDMAN: Ernsthaft.

CHRIS WINK: Er hat nicht viele Gesichtsausdrücke. Man sieht ihn an und ist nicht sicher: Ist er freundlich? Wie ist er? Der Blue Man hat große Achtung vor dem Publikum. Ich hoffe, dass die Show der Intelligenz und der Würde des Publikums entspricht. Etwas haben wir auf jeden Fall aus dieser Rolle gelernt – zu versuchen, einander respektvoll zu behandeln.

PHIL STANTON: Der Blue Man versteht unsere Gebräuche oder die Art, wie wir arbeiten, nicht wirklich, aber er macht sie ganz schnell nach.

MATT GOLDMAN: Der Blue Man verhält sich anders als du und ich, es kommt ihm kein Ego in den Weg. Er spürt überhaupt keine Befangenheit. Er versucht nicht, Eindruck zu machen. Er ist einfach.

CHRIS WINK: Der Mangel an Hemmungen des Blue Man hat etwas, das uns inspirierte. Um etwas Neues zu probieren, muss man willens und mutig sein, drauflos zu machen, unabhängig davon, ob man das Gefühl hat, etwas Dummes zu tun. Man muss dabei Selbstbewusstsein ausstrahlen. Die Blue Men sind außerdem perfekte Teamplayer. Sie arbeiten zusammen, um ein Problem zu lösen. Dabei können wunderbare und zauberhafte Dinge entstehen.

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MATT GOLDMAN: Viele Leute denken, dass wir eine Maske anlegen, wenn wir den Blue Man spielen, aber in der Tat legen wir die Maske ab. All das, was uns selbst ausmacht! Das ist wirklich das Verletzlichste des Menschseins, einer Person, das in diesem Augenblick rauskommt.

CHRIS WINK: Wir lieben es, ständig Material für den „blauen Mann“ zu machen. Der Blue Man ist so etwas wie der Teil von uns, der sich wie ein Fisch ohne Wasser fühlt. Es kommt nicht darauf an, ob wir reinpassen, welche Kulturmaske wir tragen, es gibt einen tiefen Teil in jedem, der sich wie ein Außenseiter fühlt.

MATT GOLDMAN: Zwei der Blue Man können etwas vereinbaren und einer ist der Außenseiter in der Dreiergruppe. Die Dreiergruppe ist die kleinste Gruppe, in der es einen Außenseiter geben kann. Einige der lustigsten Momente in der Show entstehen, wenn es unter diesen drei Außenseitern wiederum einen Außenseiter gibt.

CHRIS WINK: Man denkt gerne, der Teil von uns, der anders denkt, sollte verborgen sein – zugedeckt, meine ich. Und meiner Meinung nach ist die Botschaft des Blue Man, dass man genau das nicht verbergen soll, es ist nämlich der Schlüssel zur Individualität.

Das Papierfinale

Szene: Scrim Drumming"CHRIS WINK: Das Papierfinale in der Show ist etwas, woran wir jahrelang gearbeitet haben. Wir wollten ein richtig großartiges, spektakuläres Ende haben. Aber wir hofften auch, dass wir etwas entstehen lassen können, das auf den Punkt bringt, was die Show und unser ganzes Projekt ausmacht, das den ganzen Inhalt unserer Entwicklung beschreibt.

MATT GOLDMAN: Das Papierfinale ist etwas Unbeschreibliches. Es gibt all dieses Recyclingpapier und Stroboskoplampe und Schwarzlicht. Die Sinne werden überbeansprucht. Das ganze Publikum wird durch das Papier miteinander verbunden. Es ist jeden Abend ganz anders. Es hängt völlig von der Zusammensetzung des Publikums ab, wie das Papier bewegt wird.

PHIL STANTON: Es ist jede Nacht anders. Meiner Meinung nach ist das das Interessante daran. Die Leute scheinen so zusammenzuhalten, wie man es im Theater nicht gewohnt ist.

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CHRIS WINK: Wenn man bereit ist, ein bisschen ausgelassen oder verrückt zu sein, muss man seine Hemmungen überwinden, Mut haben. Und wenn man willens ist, die Kraft der Zusammenarbeit freizusetzen, denn um das zu schaffen braucht man das gesamte Publikum, dann kann man etwas entstehen lassen, was über die kühnsten Träume hinausgeht. Und so geschah es bei uns.

Auszug aus dem PBS TV Special: Inside The Tube