Vom Mythos zum Musical

Obwohl keine Musical-Produktion bisher so kurz nach ihrer Broadway-Premiere in Europa aufgeführt wurde, hat es doch eine lange und intensive Zeit der Vorbereitung gebraucht, Disneys Musical TARZAN® für den großen Erfolg vorzubereiten. Über fünf Jahre nahm sich das Team um Thomas Schumacher, President Disney Theatrical Productions, Zeit, die Legende von Tarzan in einem Musical zu verarbeiten. Es war den Machern wichtig, einem so emotionsgeladenen und mittlerweile legendären Stoff gerecht zu werden. Thomas Schumacher sagt dazu: „Die Geschichte des Tarzan ist bereits auf so viele Weisen erzählt worden. Viele Leute kennen die Comics und Tarzan ist einer der am häufigsten verfilmten Buchtitel. Tarzan ist ein echter Klassiker.“

Disneys Tarzan 4Um nicht nur der beeindruckenden Anzahl bisheriger Adaptionen des Tarzan-Stoffes gerecht zu werden, sondern auch einen eigenen Ansatz für das Erzählen der Geschichte des Mannes aus dem Dschungel zu finden, ging man bei Disney Theatrical Productions zurück zu den Grundlagen. „Die historische Geschichte beruht auf der Beziehung zwischen dem Menschenkind und Kala, der Gorillamutter“, erklärt Thomas Schumacher. „Diese Beziehung ist auch zur Grundlage unseres Animationsfilms zu Tarzan geworden und wir mussten sie auch zur Grundlage des Musicals machen.“ Mit dem Animationsfilm als Basis für das Musical stellte sich eine weitere grundlegende Frage für das Musical TARZAN®. Die Musik von Phil Collins ist ein sehr bestimmendes Element des Films: Im Film singt Phil Collins alle Songs selbst. Im Gegensatz zum Film ist es aber für ein Musical nicht möglich, alle Songs aus dem Off einzusingen – die Musik muss auf der Bühne ihren Platz finden. Dazu Thomas Schumacher: „Zahllose Einfälle um dieses Problem zu umgehen wurden erörtert. Schließlich kamen wir zu dem Schluss, dass Tarzan seine eigene Geschichte selber erzählen muss. Das er selber singen muss. Das macht das Musical in musikalischer Hinsicht sehr stark.“

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Disneys Tarzan 2Es war von Anfang an klar, dass Phil Collins auch die Musik für das Musical komponieren sollte. Das heißt: allen außer ihm selbst. „Wenn du mir vor zehn Jahren erzählt hättest, dass ich je ein Musical schreiben würde, hätte ich gesagt nein, da hast du den falschen Phil Collins vor dir. Dass ich gefragt werden würde, an so etwas wie TARZAN® mitzuwirken, hätte ich nie erwartet“, erzählt Phil Collins. Trotz seines weltweiten Erfolges als Drummer und Sänger der Band Genesis und seiner seit 1981 ebenso erfolgreichen Solokarriere war Phil Collins aufgeregt bei der Idee, für ein Musical die Musik zu schreiben. Ein erstes Treffen mit dem Regisseur Bob Crowley, der Disneys Musical TARZAN® inszenieren sollte, brach aber schnell das Eis und Phil Collins nahm die Herausforderung an. Dabei gingen die Entwicklung des Stückes, das Schreiben des Buches durch David Henry Wang, der für sein Theaterstück „M. Butterfly“ mit dem Tony® Award ausgezeichnet wurde, und die Komposition Hand in Hand. „Die einzig Erfolg versprechende Zusammenarbeit war, dass Phil gänzlich Partner unserer Show werden würde“, sagt Thomas Schumacher. „Ab dem allerersten Treffen, als wir das Storyboard besprochen haben, war Phil dabei.“

Diese Storyboards verdeutlichten das Konzept des Regisseurs Bob Crowley. Seine Vision von Disneys Musical TARZAN® ging weit über die Regieidee hinaus – schließlich war er vorher schon ein erfolgreicher und preisgekrönter Bühnen- und Kostümbildner. Entsprechend näherte er sich dem Musical auch zunächst über die Bilder in seinem Kopf. Das visionäre Gesamtkunstwerk aus Bühnenbild, Kostümbild und ihrer Einbettung in ein Regiekonzept überzeugten Schumacher davon, den perfekten Regisseur gefunden zu haben: „Als ich für TARZAN® mit meinen Vorstellungen kam, die tatsächlich umfangreich waren, bat Thomas Schumacher mich, auch Regie zu führen. Er fand, dass ich so etwas nicht verpassen durfte, da ich den ganzen Kontext schon im Kopf hatte. Ich war erstaunt, fühlte mich aber schon geehrt.“

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In seiner vorherigen Arbeit hatte sich Bob Crowley darauf spezialisiert, Szenen mit nur wenigen, aber deutlichen Mitteln zu gestalten. Mit seiner klaren Bildsprache gewährleistet er die Möglichkeit schneller Szenenwechsel ohne große Bühnenumbauten. Auf dieser Arbeitsweise basierend entwarf er
für TARZAN® ein Bühnenbild, dass lediglich eine Darstellung des Dschungels liefert, aber kein naturgetreues Abbild: „Nirgendwo sollte auch nur ein einziges Blatt zu sehen sein“, sagt Crowley. Die Basis seines Bühnen-Dschungels wurde die Farbe Grün. Er entwickelte ein Bühnenbild, dass es den Darstellern ermöglichte, durch die Rück- und Seitenwände, aber auch durch sogenannte „Drop Points“ von oben zu erscheinen. Drop Points sind Öffnungen in der Decke des Bühnenbildes, durch das die Darsteller sich an Bungee-Seilen hinunterfallen lassen. Denn Crowleys Vorstellung des Stückes sah vor, dass sich die Darsteller wie Affen auch an Lianen durch den ‚Dschungel’ schwingen sollten. Dafür entwarf Crowley ein Gerüst, dass an seinen drei Wänden und der Decke mit aufblasbaren Luftkammern gepolstert wurde, die auf unterschiedlichen Höhen Öffnungen für die Auftritte der Darsteller haben. Auch der Bühnenboden wurde gepolstert, da die meisten Darsteller barfuss agieren sollten.

Disneys Tarzan 5Diese neuartige Konzeption eines Dschungels auf der Bühne, die Darstellung der Undurchdringlichkeit des Urwalds durch ein Gewirr aus stoffummantelten Seilen an allen Seiten des Bühnenbildes und auch der Decke liefern die perfekte Illusion des afrikanischen Regenwaldes. Im Fall der Hamburger Inszenierung reicht das Bühnenbild weit in den Zuschauerraum hinein – So erleben die Zuschauer Disneys Musical TARZAN® hautnah, wenn sich die Darsteller direkt über ihnen an Seilen durch das Bühnenbild schwingen. Mit ausdrucksstarken Schlüsselelementen ließen sich nun innerhalb des Dschungels das Baumhaus von Tarzans Eltern und das Camp der Expeditionsteilnehmer um Jane erstellen. Für die Teile der Handlung, die nicht im Dschungel spielen, wie die Eröffnungsszene, der Schiffsuntergang und das Landen von Tarzans Eltern am Strand, entwarf Crowley durchscheinende Vorhänge, auf die Unterwasser-Stimmungen und eindeutige Bilder projiziert werden. Der Zuschauer hält mit den Charakteren den Atem an, wenn er die verzweifelte Familie vor sich an die Wasseroberfläche ‚hinauf schwimmen’ sieht. Und wenn die Familie am Strand angeschwemmt wird versetzt Crowley sie durch seine raffinierte Inszenierung des Raumes in die Vogelperspektive und lässt sie diesen Landgang von oben beobachten. Jede weitere Stimmung entwarf Crowley gemeinsam mit der Lichtdesignerin Natasha Katz. Das Lichtdesign ist ein weiteres sehr bestimmendes Element von Crowleys Inszenierung: In seinem Bühnenbild gestaltet das Licht nicht nur Stimmungen, sondern stellt den Dschungel in seiner geheimnisvollen Vielfalt dar.

Auch die Kostüme der Schauspieler, die zum größten Teil Gorillas darstellen, legte Crowley so an, dass sie nicht naturgetreu, sondern lediglich stilisiert sind. Die Gorillas in TARZAN® sollten nicht echt aussehen - es sollte klar sein, dass es Schauspieler sind. Und die mussten großen Anforderungen gerecht werden: Sie sollten sich an Seilen über die Bühne und den Zuschauerraum schwingen, beinahe fliegend ihre Rollen spielen. Um dies zu ermöglichen, wurde der Aerial Designer Pichón Baldinu ins Team geholt. Der gebürtige Argentinier ist bekannt für seine experimentellen Inszenierungen an unkonventionellen Orten und den Einsatz ungewöhnlicher Mittel. Geschult durch seine bisherige Arbeit erkannte Baldinu sofort, dass diese Inszenierung völlig neue Wege geht. Darum entwarf er ein revolutionäres Fluggeschirr, das vollkommen neue Möglichkeiten für die Darsteller mit sich bringt. Er erfand eine Konstruktion, die die perfekte Illusion vom Fliegen erzeugt. Er war auch der Einzige, der den Darstellern beibringen konnte, in der Luft zu agieren. „Das Fliegen ist Teil der Bewegungen der Menschen auf der Bühne.“, erklärt Baldinu, „Es wird in die Handlung integriert. Das Fliegen wird als Teil des Schauspielerns und des Charakters betrachtet.“

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Tarzan schwingt an der LianeDurch das von Baldinu erfundene Fluggeschirr, das für jeden Schauspieler maßgefertigt werden muss, können die Schauspieler sich in der Luft um 360 Grad drehen. Unter der Regie von Bob Crowley entstanden so atemberaubende Choreographien, die tatsächlich den ganzen Bühnen- und Theaterraum nutzen: Darsteller scheinen zu fliegen, wenn sie sich in der Luft um sich selber drehen, wild durcheinander wirbeln und sich von einer Ecke des Dschungeldickichts auf die andere schwingen. Aus dieser rasanten Choreographie, dem atemberaubenden Bühnen-Dschungel und der grandiosen Musik wurde ein Musical, das seine Zuschauer die Abenteuer von Tarzan miterleben und mitfühlen lässt. Sie sehen den kleinen Jungen unter der Obhut des Gorillaweibchens Kala aufwachsen und zum Mann werden. Die Zuschauer lernen mit ihm gemeinsam, was es heißt, anders zu sein und begleiten ihn auf der Suche nach seiner Herkunft und bei seinem Kampf um seinen Platz im Leben. Burroughs’ unsterbliche Geschichte, noch einmal - und doch ganz neu - erzählt.

Bei einem gewaltigen Sturm vor der afrikanischen Küste überlebt ein junges Paar mit seinem Baby nur mit knapper Not den Untergang ihres Schiffes. In einer Baumhütte im Dschungel versuchen sie, ihr Leben zu schützen. Leider vergeblich: Die Eltern fallen dem Angriff eines Leoparden zum Opfer und müssen ihr weinendes Baby dem Gesetz des Dschungels überlassen. Das Gorillaweibchen Kala findet den Kleinen und gibt ihm den Namen Tarzan. Inmitten ihrer Gorillagruppe zieht sie ihn liebevoll groß. Doch der Junge spürt, dass er anders ist und wünscht sich nichts sehnlicher, als den Grund dafür zu erfahren. Erst als Jahre später eine Expeditionsgruppe den Dschungel bereist lernt Tarzan andere Menschen kennen. Besonders die junge Forscherin Jane weckt sein Interesse – und seine Liebe. Als der undurchsichtige Expeditionsführer Clayton Tarzan aber hinters Licht führt und die Gorillas in Gefahr bringt muss Tarzan erkennen, dass nicht alle Menschen so gut sind wie Jane. Tarzan muss eine Entscheidung fällen. Er beschließt, Clayton entgegenzutreten und seine Familie zu verteidigen. Für Tarzan beginnt ein harter Kampf – um seine Identität, seine Familie und seine große Liebe…